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17. Januar 2020 Steffen Görsdorf

18. SPT – Die Highlights in der Vorschau

Schalke 04 vs. Borussia Mönchengladbach

RB Leipzig vs. 1. FC Union Berlin

Hertha BSC vs. FC Bayern München

 


Schalke 04 vs. Borussia Mönchengladbach

Schalke 04 empfängt zum Auftakt in die Rückrunde Borussia Mönchengladbach. Vom Gefühl her verkehrte Weihnachtstage: Der gut situierte Teil der Familie muss zu den Prolls in die graue Platte. Weil die jetzt aber fünf richtige im Lotto gewonnen haben und den gleichen BMW fahren, fühlt sich die bucklige Verwandschaft aus der Platte auf Augenhöhe. Sofern die Gladbacher daraus keine Tradition bis zum Saisonende werden lassen wollen, schenken sie den Knappen mehr Tore als Cognac ein und distanzieren sie schleunigst in der Tabelle. 

Was Euch erwartet?

Schalke-Fans müssen sich diese Saison fühlen wie die deutsche Durchschnitts-Ehefrau. Zwanzig Minuten wird hier ehrlich geackert, aber rein geht nix. Schalkes Angreifer haben zu Beginn einer Partie weniger Zugriff auf das Spiel als ein Bundestagsausschuss auf die Daten von Ursula van der Leyens Handy. Positiv für die Königsblauen: Hinten brennt auch nix an, womit wir auch wieder bei der deutschen Durchschnitts-Ehefrau wären. Erst fünf Gegentore hat Schalke 04 vor der Pause kassiert. Dagegen wirkt sogar der deutsche Mindestlohn imposant. 

Auf wen kommt es an?

Mehr PS als im Gladbacher Angriff wird sonst nur auf dem Berliner Kudamm registriert, wenn die Soko für Autoposer ihrem Tageswerk nachgeht.  Pléa, Thuram und Embolo haben unter Anleitung von Marco Rose eine Zeitwende in Gladbach eingeleitet. Als das letzte Mal einer aus dem Osten derart fix eine Perestroika durchgeführt hat, ist der eiserner Vorhang gefallen. Trainerkollege David Wagner reitet bei Schalke 04 eher die Retro-Welle, aber das erfolgreich. Die Knappen haben jetzt schon so viele Punkte auf dem Konto wie letzte Saison am 31. Spieltag. Das Erfolgsgeheimnis:Die Stürmer von Schalke 04 agieren nach einer Umschulungsmaßnahme durch Wagner im Sommer als schnellste Vorstopper der Liga. Dieter Eilts gefällt das. Der Spielstil der Knappen ist dadurch jedoch derart unattraktiv zu beobachten, dass selbst dessen geistiger Schöpfer Tedesco die Flucht nach Russland angetreten hat. Darauf noch einen schalen Schluck Veltins-Plörre.

Ausblick

Hoffentlich ist das Bier kalt. Schalke 04 sollte froh über die Rückrunde sein und sich selig schätzen noch ein wenig den Ausblick auf die Plätze 1 bis 4 zu genießen. Danach geordneter Rückzug und bereit machen für die Rangelei um Platz 6. Tendenz: Sieg für Gladbach.

RB Leipzig vs. 1. FC Union Berlin

Endlich wieder ein Ost-Derby in der 1. Bundesliga! Spätestens jetzt schäumen 98 % der Menschen in der Zone. RB Leipzig, von der Beliebtheit in etwa auf Augenhöhe mit den schnittigen Typen von der Treuhand einzuordnen, die nach dem Mauerfall über Nacht dem Osten seine Wirtschaft unter dem Arsch weg verscherbelt und dicht gemacht haben. Nicht anders läuft die Talentakquise des Brauseclubs. Da sind aber fortschrittlich und divers: Nicht nur im Osten grasen sie alles ab, sondern auch im Westen bis zur Atlantikküste. Positiv zu vermerken: Bei derart vielen Transfers aus ganz Europa nach Sachsen, sehen selbst die vernagelsten Montagsspaziergänger mal, dass nicht alles Böse von Außen kommt. Können die Eisernen den Brausenköpfen ein Bein stellen und die Vokuhilas von Rostock bis Erfurt jubeln lassen? 

Was Euch erwartet?

Ein Glück hat Mainz in Leipzig bereits ein Waterloo erlebt, dass selbst Napoleon schallend lachen würde. Ein Niederlage, sogar ein erneutes 4:0 wäre somit keine Schande. Bei RB Leipzig wirkt Nagelsmann wie Ecstasy im RedBull Wodka. Das Zeug knallt einfach noch härter als eh schon. Sechs Mal ging RBL in dieser Saison bereits früh in Führung, zehn Mal insgesamt. Das Kunststück der frühen Führung gelang Werder Bremen übrigens genauso oft, bloß dass die aus neun ihrer Führungen insgesamt nur drei Sieg holen konnte. Tabellenplatz 17, Glückwunsch. Zu Dumm zum Gewinnen die Hanseaten, also kein Zufall, dass Bremen auch in der Pisa-Test-Tabelle weit hinter den Sachsen liegt. Effizienter und erfolgreicher sind da die Eisernen aus Köpenick. Fünf Mal daheim geführt, fünf Mal gewonnen. Zudem auswärts zwei Mal das 1:0 markiert, Ergebnis: Ein Sieg, ein Unentschieden. 

Powerplay vs. Lange Peitschen

Nagelsmann hat Timo Werner und Co. offensichtlich einen zusätzlichen RedBull-Tank in die Stutzen gebaut. Insgesamt 19 Tore im Umschaltverhalten sind das Produkt eines Fußballs, der flächendeckend die Abwehrreihen in der Bundesliga hat kollabieren lassen. Dass man auch noch ein Dutzend Tore nach Standards schoss, fünf davon per Elfmeter, sowie die drittmeisten Treffer in einer offensiven Phase, lässt die Sachsen auch ohne illegale Zusätze zu Recht von der Meisterschaft träumen. Derweil lautet bei Union die Devise – lange Peitschen auf Andersson und danach hilft ein Platz- oder Abwehrfehler. Sowohl im Positionsangriff als auch bei Standards ist der Schwede der größte Fixpunkt in Berlin seit den harten 1990er Jahren am Bahnhof Zoo.

Auf wen kommt es an?

Muss man Brazzo jetzt eigentlich dankbar sein, dass er im Sommer keine Lust hatte 50 Millionen Euro für Timo Werner an Leipzig zu überweisen? Vielleicht hat er auch schlicht das Passwort fürs Online-Banking des FC Bayern Münchens vergessen. Werner brilliert, ist nach Robert Lewandowski der Spieler, der in der Hinrunde an den meisten Toren seines Teams beteiligt war. Derweil hoffen sie bei Union, dass Andersson die Stabilität eines IKEA Pax-Schranks besitzt und auch die kommenden 17 Spieltage unbeschadet übersteht. Denn ohne den Schweden geht nix. Genauso wie in 98 % aller Wohnungen Deutschlands.

Ausblick

Der 1. FC Union Berlin erlebt den zweiten Elchtest gegen die Roten Bullen. Geht der erneut schief, bleiben sie zwar weiter zugelassen für die 1. Bundesliga, aber mit den Überraschungsdreiern dürfte es dann erst einmal vorbei sein. Mallorca ist schließlich auch nur einmal im Jahr und beide Borussias wurden bereits vermöbelt. Dann gilt es wieder Paderborn, Augsburg, Köln und Co. amtlicher abzuziehen als Neuköllner Straßenbanden Passanten in der U-Bahn.

 


Hertha BSC vs. FC Bayern München

In Berlin scheint 2020 alles möglich. Sogar Flughäfen könnten eröffnen. Dementsprechend ist sogar ein Sieg gegen die Trümmertruppe FC Bayern München möglich. Wenn nicht sogar Pflicht. Die improvisierte Theater AG, die seit Wochen mit einem schmalen Österreicher, einem klapprigen Franzosen oder BOAteng, der fleischgewordenen Karikatur seiner selbst, vorgaukelt eine Innenverteidigung zu sein, dürfte zumindest erneut reichlich in Schwimmen kommen. Und dass, obwohl in Berlin praktisch kaum noch eine Berliner Schwimmhalle zu benutzen ist. 

Was Euch erwartet?

In West-Berlin herrscht endlich wieder Humorlosigkeit. Und dafür musste Mario Barth nicht mal das Olympiastadion bespielen. Seit drei Spielen ist Hertha BSC ohne jedes Gegentor und gewann auch noch zwei Partien davon – jeweils 1:0. Co-Trainer Nouri hat also sein altes Erfolgsrezept aus Bremen kopieren können. Reichlich Beton, noch mehr Mischbeton und vorne hilft der Liebe Gott – egal welcher. In Berlin geht alles. Hertha BSC bleibt weiterhin Schlusslicht, was Torschüsse angeht (169). Jeder Schreckschussewaffe in Neukölln gibt zu Silvester mehr Schüsse ab. Positiv an dem Stil ist jedoch, dass sie bisher kaum Gegentore aus dem Positionsangriff des Gegners bekommen. Um so anfälliger, auch unter Klinsmann und Nouri, ist Hertha bei Standards. Zwölf Tore nach Standards und nochmal zehn Stück im Umschaltverhalten sprechen für sich. Bitter könnte es kurz vor Schluss werden. Hertha BSC kassierte in dieser Spielzeit bereits zehn Tore in der Crunchtime – Top-Wert in der Bundesliga. Derweil schossen die Bayern kurz vor Abpfiff auch schon zehn Tore.

Auf wen kommt es an?

Robert Lewandowski ist im München weniger wegzudenken als Jesus-Kreuze in den Klassenzimmern. Der Pole segnet die Angriffe der Bayern mit Abschlüssen und sorgt so für das Seelenheil und täuscht über die Provinzialität der restlichen Mannschaft hinweg. Denn ein Blick in die Defensive lässt keinen Glamour, maximal Glitzer erkennen. Boatengs Auftritte erinnern an einen in die Jahre gekommenen Will Smith im jüngst erschienen dritten Teil der Bad Boys Reihe. Der Kanten von einst ist noch zu erkennen. Geht es aber ans Eingemacht, wird seit längerem öfter die Grätsche ausgepackt statt des berühmten Boateng-Styles „Lauf mal Bro, ich hol dich und den Ball noch vor dem Strafraum“. Und die Grätsche war schon immer die Kapitulation vor der eigenen Abwehrschwäche. Bei der Alten Dame ist Grujic der Taktgeber auf dem blauen Abwehrzerstörer. Seine defensiverer Spielauslegung macht sich auch bemerkbar, da er zunehmend seltener an Torschüssen der Mannschaft beteiligt ist. Problem: Adäquate Impulse von anderen Spielern bleiben weitestgehend aus, sodass die Hertha Offensive mehr aus Hoffnung als Tatendrang heraus agiert.

Ausblick

Jeder gewonnene Punkt hilft Jürgen Klinsmann seine Trainerlizenz zu verlängern, als auch sein Bayern-Trauma zu verarbeiten. Lassen sich die Bayern jedoch nicht im Umschaltspiel überlaufen, sind die Aussichten für Hertha BSC auf einen Sieg in etwa auf Augenhöhe mit den Ambitionen von der RTL2 Telenovela „Berlin Tag & Nacht“ als Weltkulturerbe anerkannt zu werden.
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